Nikolaus 2007

 

 

Es beginnt fast wie ein normaler Tauchgang: Ein Auto nach dem anderen trudelt am Treffpunkt ein, schließlich sind wir um die 25 DUC'ler. Ein bisschen Klönschnack. Dann 'Wasser gucken': Hier am Parkplatz auf dem Hüttengelände ist der Ausstieg, ein kleiner Steg des Kanu-Clubs. Hier also sollen wir in etwa einer Stunde wieder aus der Ruhr steigen, der Einstieg befindet sich wenige Kilometer flussaufwärts an der Koster Brücke. 'Machbar' denke ich beim Anblick des Stegs - trotz der Strömung werde ich das Ding wohl irgendwie zu greifen bekommen, und bei den vielen Leuten legt mich bestimmt jemand freundlicherweise auf dem Steg ab, falls ich selbst, erschöpft und durchgefroren, nicht mehr in der Lage sein sollte, aus eigener Kraft ans Ufer zu kriechen. Es ist Samstag, der 24. November 2007, kurz nach fünf nachmittags. Der DUC Hattingen e.V. veranstaltet sein Nikolausschwimmen.
Nikolausschwimmen? Nikolaus? Keine Spur, nicht mal'n Spassvogel mit roter Mütze ist zu sehen. Wäre ja auch zwei Wochen zu früh. Schwimmen? Da unterscheidet sich die Zusammenkunft in der Tat vom 'normalen Tauchgang, denn Druckluftgerät ist heute Fehlanzeige. Die Kofferräume geben nur Garderobe her, Flüssigverpflegung und - eine Riesenschüssel mit Brezeln, die zur Stärkung herumgereicht wird.
Dann spaltet sich die Gruppe der Anwesenden: Wohl elf Leute tun das, was Taucherinnen scheinbar am liebsten tun. Sie schälen sich bei wenigen Plusgraden, fast völliger Dunkelheit und eisig-müßigem Westwind aus ihren Straßenklamotten und zwängen sich in die mittlerweile auf Außentemperatur abgekühlte Neoprenhaut. Es wird ein wenig gefachsimpelt, Fachausdrücke wie 'Trocki' und 'Weichei' fallen. Und obwohl ich noch blutiger Anfänger bin, habe ich zwei wichtige Dinge recht schnell begriffen: Erstens sind Trockentauchanzüge viel, viel wärmer und bequemer als Nasstauchanzüge, und zweitens ist das, was ich jetzt trage, ein Nasstauchanzug. Ich nehme mir noch eine Brezel. Der Rest der Gruppe, die 'Nicht-Schwimmer', zieht sich nicht um - sie werden die wichtige Aufgabe der Ufersicherung einschließlich der Transferfahrten übernehmen.
Endlich geht's los. Die PKW-Karawane setzt sich in Bewegung, nach wenigen Minuten Fahrt erreichen wir den Einstiegspunkt. Dort angekommen wird das wichtigste Utensil klar gemacht: Das Floss. Hierbei handelt es sich um eine Eigenkonstruktion von gut einem Meter Durchmesser, getragen von einem LKW-Reifenschlauch, verziert mit elektrischer Weihnachtsbe---leuchtung und Vereinsemblem, ausgestattet mit Fackelhaltern und reichlich Ablagefläche in der Mitte. Auf ihr werden flugs die mitgebrachten Thermoskannen platziert. Pechfackeln werden angezündet, das Floss mit vieren bestückt, dazu bekommt jeder SchwimmerIn eine Fackel in die Hand. Das Floss ins Wasser, die Schwimmer hinterher - warum dauert das denn ausgerechnet jetzt so lange? Was, kalt? Nee, kalt ist das Wasser nicht. Und nass auch nicht.
Der Einstieg besteht aus einer Betontreppe, die in einer kleinen Bucht liegt und somit gut vor der Strömung der Ruhr geschützt ist. Mit wenigen Flossenschlägen bewegen wir uns vom Ufer weg, sehen die KameradInnen noch dort stehen. Die Koster Brücke zeichnet sich weit über dem Fluss gegen den fast schwarzen Himmel ab, und der Spaß beginnt.

Schon ist unsere Gruppe weit auseinander gezogen. 'Schwimmen' ist eigentlich nicht die richtige Bezeichnung, wir werden im Wesentlichen von der Strömung weggetragen. Wichtigster Orientierungspunkt ist immer das gut beleuchtete Floss, dort gibt's Gesellschaft, warme Getränke und Reservefackeln. Im Übrigen hat man nur eingeschränkt Möglichkeit, auf das Geschehen Einfluss zu nehmen. Meist geht die Fahrt rückwärts - sehen kann man wegen der Dunkelheit eh' nicht viel - und ab und zu gerät man in eine der Buhnen, in denen dann plötzlich die Strömung weg ist. Uups, gut eingeparkt! Und wieder mehr zur Mitte, Gas geben!
Dann passiert's: Plötzlich habe ich Grund unter den Füssen, höre lautes Plätschern und Gurgeln hinter mir und werde ziemlich herumgewirbelt. Bedacht, möglichst nicht mit dem Rücken gegen Steine zu stoßen oder mit dem rechten Auge im Ufergeäst hängen zu bleiben, mogle ich mich über die Schnelle hinweg. Hat geklappt. Allerdings stelle ich plötzlich fest, dass eine Flosse weg ist! Im Moment zwar kein Beinbruch, aber doch ziemlich ärgerlich. Na ja.
Auf diese Weise treiben wir also - mal dichter zusammen, mal weiter voneinander getrennt - flussabwärts. Auf jeden Fall ist es eine ziemliche Gaudi. Am Ufer ist kaum etwas zuerkennen, der Vollmond scheint zwar, aber unser Floss ist voll beleuchtet und jeder einzelne dank Fackel gut auszumachen. Einige Passanten, Jogger oder Radfahrer, schauen dem Treiben wohl für kurze Zeit zu, nehmen's aber gelassen. Vielleicht kennt man das Schauspiel hier schon aus früheren Jahren?

Dann, nach dem Passieren mehrerer Flussbiegungen, Wasserzuleitungen aus dem Hüttengelände (Wasser?!?), Stromschnellen und Totwassern, können wir in der Ferne am Ufer eine helle Lichtergruppe erkennen - die Ufer-Crew! Zum Schluss ist die Fahrt eher gemächlich, und tatsächlich kommen wir nach insgesamt einer guten halben Stunde problemlos an der Ausstiegsstelle an. Ein wenig durchgefroren zwar, aber alle 'landen' ohne Schwierigkeiten und werden mit warmen Getränken sowie Brezeln empfangen. Es folgt das Umziehen in die angenehmere Richtung (d.h. aus dem Neopren raus und in die warmen Klamotten hinein), und nach kurzer Verschnaufpause geht's zum zweiten Teil des Vergnügens, nämlich zum Beisammensein im Haus Beneken.
Dort wird erzählt, gequatscht und gut gegessen. Die Urlaubs-Reportage einiger DUCler ruft uns mit schmackhaften Bildern in Erinnerung, dass Tauchen nicht immer mit Kälte verbunden sein muss - es kann offenbar sogar richtig entspannend, erlebnisreich, gar luxuriös sein! So ist die Vorfreude auf die nächste Saison geweckt. Und mitten in die Geselligkeit platzt er dann doch noch hinein - er, der dem Nikolausschwimmen den Namen gegeben hat. Stellvertretend für den Verein gibt Maik ein Gedicht zum Besten, worauf die jetzt fast 40 Anwesenden mit einer Tüte voller Leckereien bedacht werden. So findet der Abend dann irgendwann seinen Ausklang, einige bleiben noch etwas länger. Insgesamt war es eine rundum gelungene Veranstaltung mit frischer Luft, viel Spaß und lockerer Atmosphäre! Zum Abschied nehme ich mir noch eine Brezel.