Tauchen in Lembeh Strait

 

Tauchen in Lembeh Strait

Schon vor einigen Jahren erzählten holländische Taucherfreunde begeistert von einem Resort an der Lembeh Strait in Nordsulawesi (Indonesien). Im Juni dieses Jahres verwirklichte ich den Wunsch einer Reise zu diesem Ort.

In der Lembeh Strait erwarten einen keine spektakulären Rifflandschaften und keine Großfische, das Besondere ist hier das sogenannte „Muck diving“, das man mit Schlammtauchen oder Matschtauchen übersetzten kann. Das klingt nicht wirklich verlockend, und ich war schon sehr gespannt auf die vielgepriesene Unterwasserwelt der Lembeh Strait. Mein erster Tauchgang im dunklen vulkanischem Sand, eigentlich mehr Schlamm als Sand mit einer geringen Sichtweite enttäuschte mich zunächst. Aber es dauerte nur kurze Zeit, bis ich mich an die völlig neue Umgebung gewöhnt hatte, und ich bekam ungeahnt interessante, seltene Lebewesen zu sehen.

Man muss schon einige Erfahrung mitbringen, um die an ihre Umgebung farblich gut angepassten Tiere zu entdecken. Hervorragende Tauchguides machten uns auf versteckt in Flaschen oder Blechdosen lebende “critters“ aufmerksam. So hatte auch der weggeworfene Müll in diesem Gebiet durchaus eine positive Aufgabe. Es gab seltsame, skurrile Fische, die meist am Boden leben, bei einigen sind die Brustflossen zu fingerähnlichen Gehwerkzeugen umgewandelt, mit denen sie sich über den Boden bewegen.

Es gibt Anglerfische in vielen Farben - auch der haarige Anglerfisch ist häufig, Schluckspechte, Fingerteufelsfische, Schaukelfische, Geisterpfeifenfische, Seepferdchen in vielen Variationen, auch das winzige Pygmäenseepferdchen, das schwer zu entdecken auf Gorgonien lebt. Man findet den Ambonskorpionfisch, Geistermuränen, Steinfische, Pegasus-Flügelrossfische und viele mehr.

Man sieht auch andere Tiere, die sich gerne verstecken: den Bluering Octopus, den Mimic Octopus und die flammende Sepia. Und Fangschreckenkrebse in allen Farbvarianten.

Oft lagen wir lange auf dem Boden, und konnten die Tiere in Ruhe beobachten. Z.B. war es hochinteressant, einem Anglerfisch beim Angeln zuzusehen, wenn er zwei wurmähnliche Fortsätze auf dem Kopf bewegt, um Beute anzulocken und dann blitzschnell sein Maul aufreißt und die Beute einsaugt.

Da die Tauchgänge sehr ruhig waren und man nie lange in größeren Tiefen war, dauerte jeder Tauchgang länger als eine Stunde, so dass ich in neun Tagen, bei drei Tauchgängen täglich, insgesamt mehr als 30 Stunden unter Wasser war. Es war einer meiner ereignisreichsten und schönsten Tauchurlaube: erlebnisreich unter Wasser, aber auch über Wasser bietet die Gegend viel Interessantes. Ich unternahm Ausflüge ins Highland zu den Vulkanen und den auf einer Hochebene gelegenen Reisfeldern, zu den im Regenwald lebenden kleinen nachtaktiven Koboldmakis (Tarsius spectrum), und zu den mystischen Steinsärgen der Minahasa.

Die besonders freundlichen, aufgeschlossenen Menschen machen diesen Urlaub unvergesslich.

Das Gebiet ist ein Paradies für Unterwasserfotografen; Ihr habt sicher alle die Fotos in der Septemberausgabe des Sporttauchers im Artikel “Critterjagd vor Sulawesi“ gesehen. Solche Bilder hatten wir bei jedem Tauchgang vor Augen.

Text: Ruth Bennewitz
Fotos: Alison Johnson/ England.

Ornate Geisterpfeifenfisch (Selostomus paradoxus)

Fingerteufelfisch (Inimicus didactylus)

Hairy Frogfish (Haariger Anglerfisch??) (Antennarius striatus)

Kurzflossenzwergfeuerfisch
(Dendrochinus brachypterus)

Schluckspecht (Rhinopias eschmeyeri)